Unsere Kindertagesstätte orientiert sich an der "Reggio"-Pädagogik. Was heisst das?

1. Die Geschichte der Reggio-Pädagogik

In der norditalienischen Stadt Reggio Emilia gründeten Eltern nach Ende des 2. Weltkrieges die ersten unabhängigen Kindergärten. Begleitet von dem italienischen Pädagogen Loris Malaguzzi entstand daraus in den 60er Jahren ein kommunales Bildungs- und Erziehungskonzept, das sich von den traditionellen, deutschen Konzepten in vielerlei Hinsicht unterscheidet. Das Kind wird als kompetentes Kind angesehen, das seine Entwicklung aktiv selber betreibt. Dazu bringt es alle notwendigen Voraussetzungen bereits von Geburt an mit. 

Erwachsene haben die Aufgabe, diese Entwicklung nicht zu behindern, sondern dem Kind Anreize zu geben, Möglichkeiten zu eröffnen. Das Kind muss seinen Freiraum erhalten, seine Bedürfnisse vielseitig ausleben zu können. Es ist ein eifriger Forscher der täglich neu auf Entdeckungsreisen geht. Die Pädagogik orientiert sich an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder, die im Unterschied zu den Erwachsenen eine besondere Art der Wahrnehmung haben. Kinder nehmen unbefangener war.

In Reggio Emilia wurde Lernen als entdeckendes Lernen verstanden, denn Lernprozesse sind Forschungsprozesse. Die Erzieherin versteht sich dabei als Wegbegleiterin der Kinder. Sie wird Mitforscherin, Begleiterin und Zeugin der Entwicklung der Kinder: Sie greift die Fragen der Kinder auf, begleitet und unterstützt sie auf der Suche nach Lösungswegen und Antworten, beobachtet und dokumentiert die Schritte, die das Kind dabei in seiner Entwicklung macht.

 

Hier beginnt die, für die Reggio-Pädagogik wichtige Projektarbeit. Projekte beziehen immer die Lebenswelt der Kinder - die Natur, die Umwelt und die Familie - mit ein. Projekthaftes Arbeiten im Kindergarten beginnt im Alltag, im genauen Zuhören, was die Kinder sagen und Fragen. Es bedeutet aber auch einsteigen und zurückfragen, neugierig sein und nicht vorgreifen mit dem Wissen, das wir als Erwachsene von der Welt haben.

2. Was bedeutet Reggio-Pädagogik in unserer Einrichtung?

Zu Beginn der Konzeptveränderung waren unsere Gruppen noch geschlossener und die Räume voll gestellt mit Tischen und Schränken. Die Gruppen haben wir geöffnet und die Möbel weitestgehend weggestellt, um den Kindern mehr Bewegungsmöglichkeit zu geben. Die Kinder können sich gegenseitig besser beobachten, um auch an den Entdeckungen anderer teilnehmen zu können. Die vorhandenen Materialien sind umfangreicher geworden und stehen auf Kinderhöhe, so dass sie für die Kinder frei erreichbar sind.

Unsere Gruppenräume wurden mit der Zeit heller und auch freundlicher. Die Wände sind in warmen, hellen Tönen gestrichen, strahlen Gemütlichkeit und heimische Atmosphäre aus. Die Kinder gestalten die Räume mit ihren selbst gefertigten Werken nach ihren Vorstellungen. Wir beobachten die Kinder viel, um zu erkennen, welche Erfahrungen die Kinder machen, was sie interessiert und was sie beobachten. Dadurch haben wir die Möglichkeit, mit den Kindern und den Eltern Projekte zu planen und innerhalb dieser die Entwicklung des Kindes zu dokumentieren.

Wir wollen unsere Einrichtung noch mehr für Eltern und Familien öffnen, indem die Eltern als Projektleiter mit eingebunden werden. Oft machen wir mit den Kindern Ausflüge in die nähere Umgebung. Z.B. besuchen wir eine Familie, die Feuerwehr oder machen einen Spaziergang zum Wasserfall usw. immer so, wie es zu den laufenden Projekten passt. Somit bringen wir den Kindern ihren Lebensraum näher und pflegen gleichzeitig bestehendes Brauchtum.

Der Träger unserer Einrichtung ist das Deutsche Rote Kreuz und wir sind sehr stolz darauf, dass wir uns Tür an Tür mit der Rettungswache befinden. Die Kinder sehen täglich Rettungs- und Krankenwagen vom Hof und auf den Hof fahren. Viele Sanitäter besuchen oft die Kinder in der Kindertagesstätte oder zeigen ihnen die Wagen oder den Funktisch. So verlieren die Kinder schnell ihre Angst vor einem Krankenwagen o. ä. Sie haben dadurch einen sehr engen Kontakt zu dieser sozialen Einrichtung. Viele ehemalige Kindertagesstättenkinder sehen wir später im Jugendrotkreuz wieder und auch Eltern treten dem Verein bei.

3. Bildungskonzept

Jedes Kind ist von Geburt an mit all seinen Sinne und Kräften bemüht, sich ein Bild von der Welt zu machen. Es entdeckt selbstständig und in Interaktion mit den Menschen und Dingen in seiner Umgebung die Welt. Dieser Bildungsansatz beruht auf Erfahrungslernen. Kinder bilden sich im Spiel, im Erleben, im Umgang und in der Auseinandersetzung mit den realen Menschen, Dingen und Situationen. Sie "...finden täglich neue Wege, um in die Welt des Wissens aufzubrechen." (S.Laewen,  Andres "Forscher, Künstler, Konstrukteure").

Unsere Haupt-Bildungsbereiche sind: Bewegung, Kreatives Gestalten, kreative Aufgabenlösung, Konflikt- und Problembewältigung, Musik, Rhythmik, Umgang mit der deutschen Sprache/anderen Sprachen, die Möglichkeit, Basiserfahrungen zu machen, die in der Schule das Lesenlernen, das Schreiben und den Einstieg in die Mathematik erleichtern, Natur und physikalische Phänomene erleben, Kenntnisse über, bzw. die Mitgestaltung die/der kulturelle(n) Umwelt (Was umgibt die Kinder an Kultur, d.h. Kunst/Gebäudekunst, Landschaftsgestaltung durch Menschen? Welche Gebräuche, Rituale, Feiern, Traditionen haben die Menschen in dem Umfeld, in dem unsere Kinder zu Hause sind?)